Harte Schnitte, neues Wachstum. Was ich aus dem Weinbau für die Jahresplanung lernen kann

Der alljährliche Rebschnitt bietet mir eine gute Parallele. Auch hier werde ich im Herbst nur eine erfolgreiche Ernte haben, wenn ich den Schnitt zum Jahresbeginn mit Konsequenz angehe. Jetzt lege ich den Grundstein für meinen Erfolg.

In meinen Anfängen als Hobbywinzer suchte ich häufig den Kontakt zu Profis und war überrascht, welche Mengen sie wegschneiden, wie viel Holz sie entfernen. Mir erschien das richtig brutal und als schiere Verschwendung.

Der Erfolg dieser rigorosen Vorgehensweise zeigt sich jedoch in jeder Ernte. Genau deswegen reduzieren die Spitzenwinzer auf nur noch einige 100 Gramm pro Rebstock.

Alle Jahre wieder

Wie viele „Augen“ lasse ich am Stock? Wie viel Ertrag strebe ich an und was mache ich damit? Der Rebschnitt ist einer der wichtigsten Qualitätseinstellungen. Hier entscheide ich, ob ich später eine Literflasche abfülle oder einen hochwertigen Bocksbeutel für 30 Euro produziere.

Ertragsregulierung nennt es der Winzer, da sich die Menge des Lesegutes mit dem Beschnitt gut steuern lässt.

Je nach Art und Gestaltung sorgt der Rebschnitt dafür, dass der Stock im Frühjahr richtig austreiben kann. Deshalb muss ich auch jeden einzelnen Rebstock genau unter die Lupe nehmen und mir immer wieder neu überlegen, wo ich die Schere ansetze.

Lernen von der Natur: Rebschnitt und die Not-to do-Liste

Der Rebschnitt lässt sich gut mit einer Not-to-do-Liste vergleichen, auf der ich festhalte, was ich im neuen Jahr nicht mehr machen möchte. Gerade das vergangene Jahr hat mir wertvolle Impulse geliefert: Welcher Verzicht lieferte mir bei genauer Betrachtung sogar einen Mehrwert? Welche Tugenden lernte ich offensichtlich erst in der „Not“ wieder zu schätzen? Welche Gewohnheiten, Rituale sind entstanden, die mir guttun? Was habe ich liebgewonnen, was ist der neue „Gold-Standard“?

Die Not-to-do-Liste hilft, lästige Zeitfresser auszuschalten und Prioritäten zu setzen. Nur eben auf eine ganz andere Weise als die hinlänglich bekannte To-do-Liste. Finden Sie heraus, ob die Not-to-do-Liste zu Ihnen passt, für welche Szenarien sie sich anbietet und wie Sie sie für sich anpassen können. Hier sind einige Anregungen:

  • Zeitfresser ausschalten und Zeitmanagement verbessern
  • Den Fokus schärfen und gerade dadurch produktiver werden
  • Tätigkeiten reduzieren, die unnötig anstrengend sind, nicht weiterführen oder die persönliche Entwicklung behindern
  • Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden, konsequent dranbleiben
  • Delegieren, kooperieren, abstimmen, Erleichterungen und Verschlankung bei der Arbeit suchen
  • Die wahren eigenen Interessen und Bedürfnisse erkennen

Sowohl der Rebschnitt als auch die Not-to-do-Liste sind für mich hervorragende Beispiele, wie sehr es sich lohnt, wie ein Winzer in Generationen zu denken und bei der Planung für den nächsten Tag nicht nur auf die nächste Ernte zu schielen.

Beim Rebschnitt kommt ziemlich viel weg, aber was bleibt, hat eine umso höhere Qualität. Das brachte mich auf die Idee mit der Not-to-do-Liste. Eine gute Idee zum Jahresanfang: Was wollen Sie in diesem frischgebackenen 2022 nicht mehr tun?