Haben Sie schon einen Torwart im Team?

Torhüter und Linksaußen sind etwas anders, heißt es. Defensiv ausgedrückt. In Fussballerkreisen nichts Neues, doch auch für Geschäftsführer und die HR-Abteilungen lohnt es sich, der Sache auf den Grund zu gehen. Denn Torhüter sind bestimmte Typen, die in jedem Team gebraucht werden.

Als ich einem meiner Coachees, der als Regionalleiter in der Logistik zwei Standorte verantwortet, das erzählte, musste er schmunzeln. Für die Linksaußen könne er nicht die Hand ins Feuer legen, aber den Torhütern attestierte er ein sehr positives Zeugnis. Allerdings steht er selbst noch in der Landesliga zwischen den Pfosten, ist insofern also etwas voreingenommen.

Ein Vorbild zwischen den Pfosten

Unabhängig von Spielsystemen und taktischen Ausrichtungen, kam den Torhütern schon immer eine besondere Bedeutung zu. Denn auf dieser Position kann jeder kleine Fehler spielentscheidend sein. Deshalb braucht es nicht nur einen enormen Ehrgeiz und Trainingsfleiß, sondern auch eine ausgeprägte Frustrationstoleranz. Hinzu kommt die unbedingte Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Das bestätigt auch René Adler, ehemaliger Nationaltorwart, aus eigner Erfahrung. Torhüter nehmen innerhalb eines Teams eine Vorbildrolle ein. Fast immer, so stellt er rückblickend fest, waren die Torhüter in seinen Mannschaften auch Teil des Mannschaftsrates.

Der Torwart darf zwar als einziger den Ball mit der Hand anfassen, ist jedoch häufig auf das Reagieren reduziert. Diese spezielle Situation erfordert einen bestimmten Typus. Im Vergleich zum Feldspieler hat er gar nicht die Gelegenheit, sich in die Zweikämpfe reinzuhauen und demzufolge auch über bedingungslosen Einsatz und Kampf zum Spiel zu finden. Abwartend, gewisse Situationen antizipierend, die Mitspieler dirigierend – muss er im entscheidenden Moment voll da sein. Diese Rolle ist sicherlich nicht jedermanns Sache.

Rückschläge verdauen, den Spielaufbau nicht aus dem Blick verlieren

Richtig schwierig wird es, wenn ein Torwart „getunnelt“ wurde, d.h. einen Ball „durch die Hosenträger“ bekam und so einen Treffer zu verdauen hat. Auch das eine Kunst, die es zu erlernen gilt: Rückschläge sofort abzuhaken und sich nicht runterziehen zu lassen. Abhaken und Blick nach vorne richten, weiter Vorbild für die Mannschaft sein. In jedem Projektteam hilft es, einen solchen Mitspieler zu haben.

Schließlich übernimmt der Torhüter auch einen wichtigen Part in Sachen Spielaufbau. René Adler, mittlerweile Unternehmer, vergleicht das mit Projektstarts und ähnlichen zentralen Weichenstellungen, von deren Erfolg sehr viel abhängt. Im richtigen Moment den Ball an den richtigen Mitspieler zu geben, das gehört im Torwartspiel wie auch im Management zum handwerklichen ABC. Ich muss wissen, wann ich das Tempo rausnehme oder wann ich beschleunige, wohin ich Themenfelder spiele, damit sich etwas entwickelt.

Der Mix und das Zusammenspiel entscheiden

Genug der Lobeshymnen auf diesen einen Spieler, der ohnehin häufig im Mittelpunkt steht. Schließlich braucht es auch andere Charaktere und Naturelle, um als Mannschaft erfolgreich zu sein. Mittelstürmer-Qualitäten zum Beispiel, um sich in Position zu bringen und Bälle zu verwerten. Ich brauche auch Abwehrspieler moderner Prägung, die das Spiel gestalten und nach vorne treiben können oder dazwischen grätschen, um Schlimmes zu verhindern.

Welche Spielertypen sind denn in Ihrem Team stark vertreten und welche würden Sie sich noch etwas stärker repräsentiert wünschen? Fühlen Sie sich auch manchmal als Trainer und stehen vor der Aufgabe, Ihre Mannschaft sowohl unter taktischen als auch mentalen Gesichtspunkten zusammenzustellen? Und noch ein anderer Gedanke: Sind vielleicht Leistungssportler, speziell Torhüter, als Führungskraft erfolgreicher?