Energieräuber - Warum nicht die Aufgabe Kraft kostet, sondern der Gedanke daran
Sie sitzen am Schreibtisch.
Eigentlich hätten Sie genügend Zeit.
Eigentlich wissen Sie genau, was zu tun wäre…
Und trotzdem beantworten Sie erst noch ein paar E-Mails.
Schauen kurz bei LinkedIn vorbei.
Räumen den Schreibtisch auf.
Lesen einen interessanten Fachartikel.
Dann einen zweiten.
Und plötzlich ist eine Stunde vergangen.
Das Verrückte daran:
Sie waren die ganze Zeit beschäftigt.
Nur leider nicht mit dem, was Ihnen den größten Nutzen gebracht hätte.
Der eigentliche Energieräuber
Viele glauben, sie würden unangenehme Aufgaben aufschieben, weil sie zu viel Energie kosten.
Die Wahrheit ist oft genau umgekehrt.
Die Aufgabe kostet meist deutlich weniger Kraft als der Gedanke daran.
Ich denke dabei an einen vollgepackten Keller.
Jedes Mal, wenn Sie daran vorbeigehen, denken Sie:
"Den müsste ich endlich mal aufräumen."
Sie räumen ihn aber nicht auf.
Also tragen Sie ihn gedanklich Tag für Tag mit sich herum.
Irgendwann kostet der Keller mehr Energie im Kopf als im Haus.
Genau so funktionieren viele administrative Aufgaben.
Die Nebenkostenabrechnung.
Die Steuer.
Die Ablage.
Das schwierige Mitarbeitergespräch.
Die Rückmeldung, die längst überfällig ist.
Sie dauern vielleicht zwei Stunden.
Aber sie begleiten uns innerlich manchmal zwei Wochen.
Gedanken können schwerer sein als Aktenordner
Noch raffinierter sind die Gedanken über verpasste Chancen.
"Hätte ich mich damals anders entschieden..."
"Warum habe ich diese Möglichkeit nicht genutzt?"
"Was wäre gewesen, wenn …?"
Unser Gehirn liebt diese Gedankenspiele.
Nur leider bezahlt es sie mit Energie.
Denn jede verpasste Chance besitzt einen kleinen Bruder.
Er heißt:
ungelebte Gegenwart.
Während wir zurückschauen, laufen die Möglichkeiten von heute häufig unbemerkt an uns vorbei.
Der Blick in den Rückspiegel ist sinnvoll.
Auto fahren würden Sie trotzdem lieber durch die Frontscheibe.
Führung beginnt im eigenen Kopf
Führungskräfte sprechen häufig über Prioritäten.
Dabei übersehen sie manchmal ihre wichtigste Ressource: ihre Aufmerksamkeit.
Worauf Sie Ihre Aufmerksamkeit richten, dorthin fließt Ihre Energie.
Und wo Energie fließt, entsteht Wirkung.
Deshalb lohnt sich morgens eine einfache Frage:
Welche eine Aufgabe wird mir heute Abend die größte innere Ruhe schenken?
Nicht die angenehmste.
Nicht die leichteste.
Sondern diejenige, die schon seit Tagen oder Wochen Energie bindet.
Mein persönlicher Feuerlöscher
Ich habe mir angewöhnt, Energieräuber wie kleine Glutnester zu behandeln.
Je länger ich sie schwelen lasse, desto größer wird irgendwann das Feuer.
Die Erfahrung zeigt jedoch etwas Erstaunliches:
Nach dem ersten Schritt verliert die Aufgabe fast immer ihren Schrecken.
Und mit jeder erledigten "Altlast" kehrt ein Stück Leichtigkeit zurück.
Nicht weil weniger Arbeit da ist.
Sondern weil weniger Ballast im Kopf ist.
Vielleicht gibt es heute auch in Ihrem Arbeitsalltag eine Aufgabe, die Ihnen seit Tagen Energie raubt.
Dann versuchen Sie einmal Folgendes:
Stellen Sie sich nicht die Frage:
"Habe ich Lust darauf?"
Sondern:
"Wie viel Energie bekomme ich zurück, wenn sie erledigt ist?"
Sie werden überrascht sein, wie oft genau dort der größte Gewinn liegt.
