Boxenstopp – wo es auch auf das Feintuning ankommt

Bald ist es wieder soweit und mich erwartet ein Anruf aus meiner Kfz-Werkstatt: Reifenwechsel! Wahrscheinlich haben die eingelagerten Winterräder gar nicht mehr genug Profil und neue sind fällig. Wie lästig das ist! Hinfahren, eine Stunde warten – und natürlich zahlen. Bei Formel-1-Piloten sind Reifenwechsel ganz anders. Vor allem geht es deutlich schneller!

Im Rennen gelten andere Bedingungen. Wegen des starken Gummiabriebs müssen die Reifen häufiger gewechselt werden. Dabei kommt es extrem auf die Geschwindigkeit an: Je kürzer die Zeit von der Abzweigung zur Box bis zur Rückkehr in den Vollgasmodus, desto höher die Wahrscheinlichkeit eines begehrten Podestplatzes. Ein guter Boxenstopp dauert inzwischen unter zwei Sekunden! Also weniger als das Lesen dieses Satzes.

Mehr Stopps = mehr potentielle Fehler

Der blitzschnelle Wechsel geht nur mit einem entsprechend großen und eingespielten Team. Drei Personen pro Rad, zwei beim Aufbocken und Niederlassen des Wagens, der Pilot und der sogenannte „Lollipop-Mann“, der dem Fahrer das Signal zum Weiterfahren gibt. Sie alle sind aber auch potenzielle Fehlerverursacher.

Eine unglückliche Handbewegung reicht, um den Griff zum Pokal endgültig zu vereiteln. Wenn nämlich der Hauptkonkurrent um einen Podiumsplatz mit Tempo 320 die Zielgerade hinunterbrettert und der eigene Pilot erst nach ihm wieder einschert. Diese Erkenntnis veranlasste die Rennställe zu einem ausgeklügelten Trainingsprogramm.

Übung macht den Champion

Alle Wettbewerber haben den Prozess feinsäuberlich analysiert und ihre Teams bis zum Exzess gedrillt. Wie lange darf der Radwechsel dauern, das Auf- und Abdocken des Boliden und die Reaktionszeiten von Fahrer und Lollipop-Mann? Nichts wird dem Zufall überlassen: Wer ist Rechts-, wer Linkshänder? Wer verfügt über die notwendige Kraft, das Hinterrad leicht abzuziehen, wer ist vorne besser aufgehoben? Wer ist nervlich etwas anfälliger, wer bleibt auch unter extremem Stress richtig cool?

Videoaufzeichnungen und anschließende Analyse sind Standard in jedem einzelnen Training. Und häufig resultieren daraus verschärfte Fitness-, Koordinations- und Reaktionstrainings. Die Zuschauer sehen oft nur den Rennsportler und seine Leistung. Doch dahinter steht ein durchtrainiertes Team, das in seiner Disziplin ebenso fit ist wie ihr Pilot.

Wie sehen Ihre „Boxenstopps“ aus?

Bei Ihnen und Ihren Abläufen sind die Zehntelsekunden wahrscheinlich nicht das entscheidende Kriterium. Und nein, bei Ihnen marschieren auch keine hochspezialisierten Mechaniker in perfekt abgestimmter Choreographie „auf die Bühne“, um teilweise noch die Wettbewerber mit militärischen Codes zu verunsichern.

Und dennoch lohnen sich diese Fragen:

  • Was sind bei Ihnen die relevanten Prozesse, die gut von sehr gut unterscheiden? Die letzten Endes über Kundenzufriedenheit, über Marktanteile entscheiden?
  • Wie lange haben diese denn bereits Bestand? Wann kamen die einzelnen Prozesse zuletzt auf die Rüttelstrecke?
  • Wie beziehen Sie die MitarbeiterInnen, d.h. Ihre Experten, mit ein, um deren Know-how zu nutzen, um etwas auszuprobieren?

Um einen Rennwagen wieder schnell auf die Strecke zu bringen, muss der interne Prozess perfekt funktionieren. Doch woran es hapert, erkennt man manchmal nur von außen. Nutzen Sie deshalb auch die Möglichkeit eines externen Sparringspartners, um Optimierungsmöglichkeiten in Ihren Prozessen zu identifizieren und Ihre Mannschaft fit zu machen.