"Wer etwas zu sagen hat, muss reden können" - Umgang mit Lampenfieber
Auch erfahrene Redner und vermeintlich abgebrühte Medienprofis haben oft Lampenfieber. Sogar „Medienkanzler“ Gerhard Schröder kennt diese Erfahrung. Sein erstes Rundfunkinterview fand gar nicht erst statt, da er vor lauter Nervosität kein Wort sagen konnte. Otto Sander bekämpfte sein Lampenfieber mit 20 Minuten Tiefschlaf. Meret Becker braucht Champagner vor dem Auftritt. Der Tenor Caruso roch stets an einem Fläschchen mit Orangenessenzen.
Haben Sie ein persönliches Rezept gegen Lampenfieber?
Was tun Sie in so einer Situation? Jeder, der öffentliche Auftritte meistern muss, ist gut beraten, jenseits von Alkohol und Betablockern ein „Rezept“ parat zu haben, das es ihm ermöglicht, souverän zu bleiben.
Machen Sie sich beispielsweise eigene Erfolgserlebnisse bewusst. Das Ziel besteht darin, in einen „Zustand der besten persönlichen Ressourcen“ zu kommen. Dieser lässt sich mit den Eigenschaften energiegeladen, kraftvoll, motiviert und selbstsicher kennzeichnen.
Versetzen Sie sich mit geschlossenen Augen zurück in konkrete Situationen, die Ihnen besonders gelungen sind. Welche persönlichen „Sternstunden“ kommen mir in den Sinn, wenn ich an Vorträge und Präsentationen der Vergangenheit denke? Und – wie habe ich mich dabei gefühlt?
Profiskifahrer fahren zum Beispiel die Piste vor ihrem geistigen Auge ab, bis die Torfolge sitzt, und prägen so ihren Erfolgsfilm. Nutzen auch Sie deshalb Ihre Vorstellungskraft, um sich positiv einzustimmen.
Die Hypothese: Wenn Sie sich persönliche Erfolgserlebnisse aktiv bewusst machen, gehen Sie mit guter Ausstrahlung und Zuversicht in die anstehende Präsentation. Lassen Sie sich keinesfalls von negativen, misserfolgsorientierten Gedanken dominieren.
Praxishilfen
- „Alles, was gut vorbereitet ist, wird gelingen!“ Was Lao Tse bereits vor 2500 Jahren feststellte, hat nichts von seiner Gültigkeit verloren. Eine sorgfältige sachliche Vorbereitung kann einen Großteil der Ängste abbauen.
- Spicker sind erlaubt – erlauben Sie sich einen doppelten Boden bzw. ein Auffangnetz. Schreiben Sie den Grobablauf mit Stichworten auf, notieren Sie Ein- und Ausstieg wörtlich.
- Atmen Sie vor Ihrem Auftritt tief aus – dies kann zusätzlich Stress abbauen und zu einer konzentrierten Grundhaltung beitragen.
- Wechseln Sie vor der Veranstaltung ein paar persönliche Worte mit den Zuhörern. Fragen Sie nach ihren Erwartungen und Vorerfahrungen. Dieser Smalltalk hat sich als psychologisches Ventil bewährt. Zudem können Sie in Ihrer Präsentation auf diese Vorgespräche Bezug nehmen.
- Der Schlüssel zu Erfolg, Zuversicht, Ausstrahlung und Sicherheit liegt in Ihrer inneren Einstellung. Bemühen Sie sich um eine positive Einstellung zur eigenen Person (positives Selbstkonzept), positive Einstellung zu den Inhalten (Produkt, Konzept, Thema…), positive Einstellung zum Auditorium (Denken Sie positiv über Ihre Zuhörer!).
- Akzeptieren Sie die innere Unruhe. Lampenfieber ist eine natürliche Alarmreaktion unseres Organismus, um „auf der Bühne“ die notwendige Energie und Leistungsbereitschaft verfügbar zu haben.
- Bei einem Auftritt in „Wetten, dass…?“ gestand der US-Schauspieler Dustin Hoffman, dass er nach wie vor unter extremem Lampenfieber leide, ihm heute allerdings gar nichts passieren könne, da er seine Glückssocken trage. Zum Beweis zeigte er seine blauen Socken mit lauter kleinen gelben Entchen. Tragen Sie Kleidung, die zwar dem Anlass gerecht wird, in der Sie sich aber auch wirklich wohlfühlen.
- „Also Carl, Du wirst doch nicht an so etwas glauben?“ wurde der Wissenschaftler Carl von Weizsäcker von einem amerikanischen Kollegen gefragt, als dieser ein Hufeisen mit der Öffnung nach oben über seinem Schreibtisch entdeckt hatte. – „Natürlich nicht, aber es funktioniert“, war die Antwort. Nutzen Sie einen Glücksbringer, etwa eine Münze, eine Kette, ein Foto, und tragen Sie diesen Talisman während Ihres Auftritts bei sich.
Viele weitere Ideen können für Sie hilfreich sein. Erstellen Sie Ihre eigene Liste und notieren Sie sich alles, was Ihnen sowohl im Vorfeld als auch während Ihres Auftritts helfen kann. Denn schon Seneca hat erkannt: „Unsere Ängste sind immer zahlreicher als die Gefahren.“
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